Leitfaden Energie-Contracting

Merkblatt

Energiesparbereich:

Outsourcing
Energie-Contracting ermöglicht einem Hotel von einer spezialisierten Firma, dem Contractor, statt Heizöl oder Elektrizität direkt nutzbare Energie zu beziehen, z.B. Wärme für Gebäudeheizung und Warmwasseraufbereitung. Das Hotel bezahlt dafür während der Vertragszeit jährlich eine Grundgebühr und für die bezogene Wärme einen Wärmetarif.
Energie-Contracting

Was ist Energie-Contracting?

Energie-Contracting funktioniert ähnlich wie Fernwärmebezug, nur dass sich die Wärmeerzeugungsanlage im eigenen Betrieb befindet. Der Contractor plant, finanziert, baut, betreibt und wartet die Wärmeerzeugungsanlage. Im eigenen Interesse achtet er auf energie­effizienten Betrieb der Anlage. Ein Vertrag regelt Vertragsdauer, Grundgebühr und Wärmepreis sowie Lieferleistung, Eigentumsverhältnis und vieles mehr.

Die Risiken des Anlagenbetriebes gehen vollumfänglich zu Lasten des Contractors mit einer Ausnahme: Der Entwicklung des Primärenergiepreises, also des Einkaufpreises des Contractors für Heizöl, Elektrizität etc.

Die Vertragsdauer entspricht in der Regel der zu erwartenden Nutzungsdauer der Anlage, z.B. bei Heizungen 15 bis 20 Jahre. Nach Vertragsende geht die Anlage in den Besitz des Hoteliers über.

Vorteile für Hôtelièreund Hôtelier

  • Die Geschäftsleitung widmet sich verstärkt den Kernaufgaben
    Das Management wird entlastet von Arbeiten, die nicht unbedingt deren Kompetenz­bereich entsprechen. Anlagen, wie solche zur Wärmeerzeugung, werden immer komplexer und deren Betrieb, Wartung und Instandhaltung erfordert von den Betriebsverantwortlichen immer bessere technische Sachkenntnis.
    Der Contractor kann den Hotelier wirkungsvoll entlasten von diesen Aufgaben und ver­schafft ihm so mehr Kapazität für seine Kernaufgaben.
  • Die Risiken werden delegiert
    Der Contractor übernimmt die technischen und finanziellen Risiken der sich in seinem Besitze befindlichen Anlage. Maximal erlaubte Versorgungsstörungen werden vertraglich festgelegt. Die Anlage wird von Contractor versichert.
  • Das Investitionsbudget wird entlastet, die Kosten sind planbar
    Die Anlage wird von Dritten finanziert und unterhalten. Das so entlastete Investitionsbudget kann verstärkt für kundennahe Vorhaben eingesetzt werden.
    Kapital-, Amortisations- und Unterhaltskosten sind mit der Grundgebühr abgedeckt. Diese wiederkehrenden Kosten sind für die ganze Vertragszeit bekannt. Eine Neuverschuldung wird so vermieden.
    Mit Contracting optimiert der Auftraggeber die Kosten über die ganze Nutzungsdauer der Anlage und nicht wie üblich, über die Höhe der Investition.
  • Spezielle Aufgaben den Spezialisten überlassen
    Dank einem spezialisierten Contractor lassen sich fortschrittliche Lösungen erarbeiten, welche energetische Ziele mit wirtschaftlichen Anforderungen kombinieren, wie die Verwendung einheimischer Energie, Einsatz von Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerken.
    Contracting-Lösungen eignen sich hervorragend für die Erreichung von Vorgaben, welche im Rahmen einer Zielvereinbarung mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) vereinbart wurden.

Informationen für die Hotellerie

Contracting für Energielieferungen eignet sich gleichermassen für Sanierung und Neu­bau, sofern eine Abgrenzung eindeutig machbar ist und die Lieferung mehr als bei­spielsweise 200'000 kWh pro Jahr beträgt, was einem jährlichen Heizölverbrauch von 25’000 Liter entspricht. Für kleine Anlagen wird der administrative Aufwand unverhältnismässig gross.

Verständlich ist, dass sich Kapitalgeber über die wirtschaftliche Situation eines möglichen Contracting-Nehmers (Hotel) orientieren werden.

Vorbereitung

Damit die beste Contracting-Lösung gefunden wird, sollen mehrere Contracting-Anbieter ihre Lösungen vorstellen können. Dazu benötigen sie eine Ausschreibung, welche die richtigen Grundlagedaten enthält. Um die entsprechenden Daten zu eruieren, ist je nach Komplexität der Voraussetzungen eine kleine Vorstudie oder ein aufwendigeres Energiekonzept zu erarbeiten.

Die Ausarbeitung eines Projektes ist in diesem Stadium jedoch nicht angebracht, denn es würde die Lösungsvorschläge der Anbieter unnötig einschränken.

Die beschriebenen Vorbereitungsarbeiten sowie die Evaluation des besten Angebotes sind komplexe Arbeiten, welche mit Vorteil einer unabhängigen Energie-Fachperson übertragen werden. Diese soll über die entsprechende Erfahrung verfügen und darf für das vorliegende Vorhaben auch kein Contracting-Angebot einreichen.

Ausschreibung und Offerte

Alle Anbieter sollen mittels Ausschreibung und Vorstudie oder Energiekonzept über einheitliche Voraussetzungen verfügen, welche ihnen erlauben, ohne grossen (unbezahlten) Aufwand eine angepasste Offerte erstellen zu können. Unnötige Vorgaben, welche die Lösungsmöglichkeiten einschränken, sind zu unterlassen. Die Ausschreibung soll vorgeben, wie die Offertangaben aufzubereiten sind, damit die Offerten untereinander vergleichbar sein werden. (Siehe Checkliste Ausschreibung am Ende des Merkblattes)

Contracting-Vertrag

Nachdem der beste Contracting-Partner ausgewählt ist, wird dieser beauftragt, den entsprechenden Vertrag auszuarbeiten. Dieser soll enthalten:

BeschriebGegenstand des Vertrages und Projektbeschrieb
EigentumsverhältnisseAbgrenzung der neu zu erstellenden Anlage, Definition der Schnittstellen, Übergang in den Besitz des Hoteliers nach Vertragsablauf
VertragslaufzeitBeginn und Ende des Vertrages, Laufzeit entsprechend Nutzungsdauer der Anlage, z.B. 20 Jahre
Energie-Lieferung jährlicher Verbrauch (kWh/a)zu liefernde maximale Leistung (kW)
Energie QualitätLieferung von Wärme, Kälte, Strom etc; Definition von Temperaturniveaus (Vorlauf/Rücklauf) 
Grundpreisbeinhaltend: Planung und Erstellung der Anlage; Kapitalkosten, Amortisation und Versicherung; Bedienung und Instandhaltung, evtl. indexiert gemäss Landesindex
Energiepreis Preis der zu liefernden Energie bei definiertem Preis für Primärenergie bei Versorgungsbeginn, Indexierungs­formel für Preissteigerungen der Primärenergie
kalkulatorischer PreisErgibt sich aus: (Jahrestotal Grundpreis + Jahrestotal Energiepreis)/Jahrestotal gelieferte kWh
Primärenergie (z.B. Heizöl 30%, Holzschnitzel 70 %)Zu nutzender Energieträger und Anteile derselben
Betrieb und InstandhaltungZuständigkeiten, Kostenübernahme
Sicherheit der E.-Lieferunggeplante und ungeplante Versorgungsstörungen, Haftung
Energie-MessungWer misst was und wie wird gemessen
VersicherungFeuer-, Elementar- und Haftpflichtversicherung
Diverseswie Zahlungsbedingungen, Vertragsänderungen, Streitigkeiten und Rechtsnachfolge

Weitere Infos bei Swiss Contracting

Swiss Contracting ist das Schweizer Forum für Energiedienstleistungen. Das Forum ist nicht gewinnorientiert und hat die Verbreitung und Förderung von Energie-Contracting in der Schweiz zum Ziel. Es bildet gleichzeitig eine Plattform für alle an Contracting-Lösungen Beteiligten wie Contractingnehmer, Contractor, Banken und Versicherungen.

Swiss Contracting bietet die Prüfung von Ausschreibungsunterlagen sowie von Angeboten an und führt ganzheitliche so genannte ‚Swiss Contracting-Projektprüfungen’ durch.

Swiss Contracting, Forum für Energiedienstleistungen

Email: info@swisscontracting.ch

Homepage: www.swisscontracting.ch

Checkliste Ausschreibungsunterlagen

In der folgenden Checkliste sind die empfohlenen contractingspezifischen Inhalte einer detaillierten Ausschreibung vorgestellt.

1Adressen, Auskunftsstellen
 Ausschreibende Stelle: Ansprechperson, Adresse
 Auskunftgebende Stelle (z.B. Beratungspartner): Ansprechperson, Adresse
2Ausgangslage und Zielsetzung
 Übergeordnete, zusammenfassende Beschreibung, um den Anbietern einen Überblick zu geben.
3Das Objekt
 Ort: Lageplan
 Zu beliefernde Gebäude: Beschreibung, Grösse (EBF, BGF), Standard Wärmedämmung
 Art der Nutzung, ev. geplante Veränderungen der Nutzung
 Vorgesehene Standorte für die Anlagen des Contractors
4Energiebedarf und Energielieferung
 Zu erbringende Leistung (kW) und Energiemenge (kWh), gewünschte Raum- und Warmwassertemperatur, Lastgang (saisonal, Tag), Lastspitzen, Vor- und Rücklauftemperatur
 Verwendung der Energie, z.B. Wärme (Heizung, Brauchwarmwasser), Strom, Kälte (Raumklima), Lüftung
 Bei Sanierung: für mindestens die letzten drei Jahre: Energierechnungen, verbrauchte Energiemengen, installierte Leistung
5Technik
 Gewünschte Art der Anlage, z.B. Holzschnitzelheizung, Blockheizkraftwerk, Wärmepumpe, etc.
 Anteil erneuerbarer Energie
 Bei Sanierung: Beschreibung der heutigen technischen Anlagen: Alter, Leistung, Menge, Service, ev. gewünschte Demontage/Entsorgung
6Betriebssicherheit
 Tolerierter Betriebsunterbruch ohne Vorankündigung (Störung), in Stunden
 Tolerierter Betriebsunterbruch mit Vorankündigung (Reparatur, Wartung), in Stunden
7Schnittstellen, Verantwortlichkeiten
 Schnittstelle Eigentum/Investitionen: Definition der Liefergrenze und Bestimmung des Eigentums an den Anlageteilen (z.B. bis und mit Wärmeübergabestation inkl. Wärmezähler ist Eigentum des Contractors)
 Verantwortlichkeiten und Leistungen des Contractors, die in Grund- und Energiepreis enthalten sind, z.B. Planung, Finanzierung, Erstellung, Betrieb, Wartung und Unterhalt aller erforderlichen Anlagen inkl. Primärenergieeinkauf und Energiekostenabrechnung sowie Demontage und Entsorgung der alten Anlagen
8Preise und Preisgleitklauseln
 Grundpreis (CHF/kW*Jahr) beinhaltend: Planung und Erstellung der Anlage, Kapitalkosten, Amortisation, Versicherung, Bedienung und Instandhaltung
 Preisgleitklausel für Grundpreis, z.B. indexiert nach Landesindex der Konsumentenpreise oder Zinssatz von 10-jährigen Bundesobligationen
 Energiepreis (Rp./kWh) beinhaltend: Einkaufspreise für Primärenergie bei Vertragsbeginn
 Preisgleitklausel für Energiepreis, anteilsmässig indexiert nach dem Index des Bundesamtes für Statistik für den verwendeten Energieträger
 Kalkulatorischer Preis (Rp/kWh), ergibt sich aus:
 (Jahrestotal Grundpreis + Jahrestotal Energiepreis)/Jahrestotal gelieferte kWh
 Bei Sanierung: Übernahmepreis (Kaufpreis) für die bestehenden Anlagen
 Förderbeiträge (Auswirkungen auf den Grundpreis)
9Vertragsdauer
 Vertragsdauer, Versorgungsbeginn und ordentliches Vertragsende (Kalenderdatum und Anzahl Jahre)
 Restwert nach Vertragsablauf, Restwertbestimmung bei ausserterminlicher Vertragsauflösung
10Vergabekriterien
 Kosten während eines Jahres und kalkulatorischer Preis während der Vertragsdauer, unter Berücksichtigung der Preisgleitklauseln (Simulationsrechnung unter Annahme wahrscheinlicher Veränderungen der angebenen Parameter)
 Referenzprojekte und Erfahrung in der geforderten Energietechnik und im Contracting allgemein
 Versicherung; Weiterbetriebsgarantie bei Ausfall des Contractors; finanzielle Leistungsfähigkeit
11Begehung und Fragenbeantwortung
 Obligatorischer Besichtigungstermin der Örtlichkeiten
 Beantwortung von schriftlich gestellten Fragen zuhanden der Besichtigungsteilnehmer
12Einzureichende Unterlagen
 Durch den Contractor einzureichende Unterlagen zur Dokumentation des Angebots
13Beilagen
 Sofern vorhanden: Vorstudie
 Übersichtsplan
 Prinzipschema
 Bei Sanierung: Dokumentation der bestehenden Anlagen

Autoren

  • Ingenieurbüro Energie und Umwelt
  • Swiss Contracting