Leistungsspitzen und Blindstrom

Standardmassnahmen

Energiesparbereich:

Stromspitzen
Dem gewerblichen Abnehmer von elektrischer Energie wird nicht nur die bezogene Wirkenergie (kWh) in Rechnung gestellt, sondern auch die maximal bezogene Leistung (kW). Letztere wird entsprechend dem bezogenen Leistungsmaximum verrechnet: Während jeder 15-Minuten-Periode wird die durchschnittliche Leistung ermittelt und das höchste Monats-Mittel in Rechnung gestellt. Hohe Leistungsspitzen resultieren aus dem gleichzeitigen Betrieb grosser Verbraucher. Hier geht es nicht ums Energiesparen, sondern um die Reduktion der verrechneten Leistung! Oftmals wird auch ein Blindstrom-Überbezug in Rechnung gestellt. Blindstrom entsteht beim Betrieb von Fluoreszenzröhren und Elektromotoren. Er belastet das Stromnetz zusätzlich. Überschreitet er ein gewisses Mass, so wird er von den meisten Stromversorgern in Rechnung gestellt. Blindstrom kann mit Kompensationsanlagen reduziert werden.

Leistungskosten

Betragen die Leistungskosten mehr als 20% der Stromrechnung, sind Massnahmen angesagt!

Leistungsspitze / Grundlast

Wieviel beträgt die verrechnete Leistung (kW)? Bestimmen Sie wie hoch die wünschbare maximale Leistung für Ihren Betrieb sein soll. Richtwert: Leistungskosten 20% (höchstens 25%) der gesamten Stromkosten.

Die meisten EW’s machen für ihre Kunden gratis Lastgangaufnahmen. Diese sind sehr informativ, denn sie zeigen die Tageszeiten mit Spitzenverbrauch auf. Messung während zweier Wochen mit hoher Betriebsbelastung vorsehen. Die Aufnahme wird informativer, wenn gleichzeitig zur Messung an 2 Spitzentagen die Einschaltzeitpunkte der Grossverbraucher notiert werden.

Nachtverbrauch um 04.00 morgens zeigt die Grundlast. Falls mehr als 30% der durchschnittlichen Tageslast ansteht, dann untersuchen ob wirklich alle eingeschalteten Geräte nötig sind.

Grossverbraucher

  • Dort wo Elektrizität in Wärme umgewandelt wird, finden sich die Grossverbraucher wie Geschirrspüler, Waschmaschinen, Tumbler, Mangel, Backofen und Gussplattenherd (+ elektrischer Warmwasserboiler).
  • Organisatorische Massnahmen
  • Grossverbraucher nicht gleichzeitig in Betrieb nehmen, sondern gestaffelt.
  • Evtl. Einschaltprozedere festlegen; dazu Geräte beschriften oder gegenseitig elektrisch verriegeln.
  • Absprache zwischen Küche und Wäscherei: Wer geniesst wann Priorität?
  • Einschaltpläne in den notwendigen Sprachen anbringen.

Einfache technische Massnahmen

Diese sollen die organisatorischen Massnahmen unterstützen. In kleineren Betrieben kann mit optischem oder akustischem Signal angezeigt werden, wann die maximale Leistung überschritten wird und ein Grossverbraucher ausge-schaltet werden muss (Eine Funk-Übertragung reduziert die Installationskosten).

Lastmanagementsysteme LMS

Diese sind eigentliche Spitzenbrecher:

  • Stellt das elektronische LMS fest, dass in der laufenden 15-Min-Periode die Leistung voraussichtlich überschritten wird, so schaltet es selbsttätig die Verbraucher der tiefsten Priorität aus; reicht dies nicht, dann auch diejenigen höherer Prioritäten.
  • Anzuschliessen sind die Grossverbraucher in Wäscherei und Küche sowie die Dauerstromverbraucher (Wärmeschränke, Kälteaggregate) die ganz oder ausgeschaltet werden können.
  • Primär sind nicht die ganzen Geräte auszuschalten, sondern nur deren Wärmeerzeuger. Die Waschmaschine z.B. läuft weiter, ihre Heizung ist aber temporär unterbrochen. Moderne Geräte sind dazu ausgerüstet.
  • Damit es zu keinen Arbeitsbehinderungen kommt, ist die Wahl der Ausschalt-Prioritäten, der max. Ausschaltdauer sowie der minimalen Ein- und Ausschaltdauer detailliert zu prüfen und auszuprobieren.

Blindstrom

Wird Blindstrom verrechnet? Abhilfe schaffen Blindstromkompensationsanlagen. Die entsprechenden Installationskosten lassen sich in wenigen Jahren amortisieren – einfach und vielfach bewährt.

Weitere Infos zum Thema

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Hotelfamilie Hauser bricht die Leistungsspitzen. Fallbeispiel

Autoren

  • Alteno AG
  • Bundesamt für Energie
  • Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut Energie am Bau
  • Ingenieurbüro Energie und Umwelt