Contracting

Fallbeispiele

Energiesparbereich:

Outsourcing

Stichwörter:

Contracting, Heizung
Beim Arc-en-ciel ist’s wie anderswo, man will die Heizung ersetzen, möchte aber das Eigenkapital vorzugsweise dort einsetzen, wo der Gast davon profitiert und nichts zu tun haben mit der Heizerei. Es stellt sich die Frage, was für ein Hotel vorteilhafter ist: Selber Heizungsanlage erstellen und betreiben oder delegieren an einen Contractor?
Hotel Arc-en-ciel

Problembeschreibung

Das Ferienhotel Arc-en-ciel, ist ein 4-Stern Ganzjahresbetrieb mit 80 Betten, Restaurant, Pizzeria und Hallenbad. Das Hotelgebäude weist eine Ölheizung auf und die angegliederte Résidence hat eine Wärmepumpe. Beide Heizungen müssen in der nächsten Zeit ersetzt werden. Primär aber die Wärmepumpe, die mit Jahrgang 1981 das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht hat und mehr und mehr Ausfälle verursacht. Beim Arc-en-ciel ist’s wie anderswo, man will die Heizung ersetzen, möchte aber das Eigenkapital vorzugsweise dort einsetzen, wo der Gast davon profitiert und nichts zu tun haben mit der Heizerei.

Lösung

Die Hotelleitung nahm frühzeitig mit einem Contracting-Anbieter Kontakt auf und liess ein technisches Konzept mit Kostenvoranschlag erstellen sowie eine Contracting-Offerte ausarbeiten. Die Evaluation der vorliegenden Daten ergab einen klaren Entscheid zu Gunsten der Contracting-Lösung.

Kosten-Nutzen Rechnung

Es stellt sich die Frage, was für ein Hotel vorteilhafter ist: Selber Heizungsanlage erstellen und betreiben oder delegieren an einen Contractor?

  • Installationskosten: Schlüsselfertige Anlage mit neuer Wärmepumpe, Wärmespeicher, Grundwasserpumpe, Heizungsgruppe, Regelung und Wärmemessung (inkl. MWSt):  Fr. 190'000.-
  • Wärmebedarf für Raumwärme und Warmwasser: 260'000 kWh (entsprechend einem Heizölverbrauch von 29'000 Liter)
  • Nutzungsdauer der Anlagekomponenten respektive Vertragsdauer Contracting: 15 Jahre

 

Eigenbetrieb

Contracting

- Kapitalkosten (5 % Zins Amortisation 15 J)

- Vollservicevertrag

- Grundpreis

18’240.-

6’240.-

24'480.-

 

 

21’750.-

- Energiekosten (Tarif-Mixpreis 11.6 Rp/kWh)

ang. Stromverbrauch 96'300 kWh (JAZ 2.7)

- Betrieb der Heizung (1h/Woche zu 40.-)

- Wärmepreis gem. Vertrag 6.0 Rp/kWh

 

11’170.-

2’080.-

 

 

 

15’600.-

Wärmekosten pro Jahr

37’730.-

37’350.-

Beschreibung der Qualitätsverbesserung und der Vorteile

Die technischen und finanziellen Risiken werden an den Contractor ausgelagert. Eigenkapital und Managementkapazität werden nicht tangiert und können voll dem Kerngeschäft gewidmet werden. Die Anlage, in diesem Falle eine Heizanlage mit Wärmepumpe, wird im Interesse des Contractors optimal betrieben.

Sonstiges

Wie funktioniert Wärme-Contracting?

Ein Hotel bezieht von einer spezialisierten Firma, dem so genannten Contractor, statt Heizöl oder Elektrizität direkt nutzbare Wärme für Gebäudeheizung und Warmwasseraufbereitung. Das Hotel bezahlt jährlich eine Grundgebühr sowie für die bezogene Wärme einen Wärmetarif während der Vertragszeit.

Der Contractor-Geber plant, finanziert, baut, betreibt und wartet die Wärmeerzeugungsanlage. Im eigenen Interesse achtet er auf energieeffizienten Betrieb der Anlage.

Ein Vertrag regelt Vertragsdauer und Wärmepreis, Lieferleistung, Eigentumsverhältnis und vieles mehr. Die Risiken des Anlagenbetriebes gehen vollumfänglich zu Lasten des Contractors – mit einer Ausnahme: Die Entwicklung des Primärenergiepreises, in unserem Falle Elektrizität, wird indexiert und überträgt sich verständlicherweise auf den Betrieb. Die Vertragsdauer entspricht in der Regel der zu erwartenden Nutzungsdauer der Anlage, bei Heizungen 15 bis 20 Jahre.

Was ist zu beachten?

  • Unabhängig vom Contracting ist es wichtig, den Ersatz der Heizung frühzeitig zu planen um bei einem irreparablen Schaden nicht auf die erstbeste Lösung angewiesen zu sein.
  • Eine Contracting-Lösung eignet sich sehr gut für eine Umstellung von Heizöl auf einheimische Energie. Das „Risiko des Neuen“ trägt der Contractor. Natürlich gibt es auch zahlreiche Beispiele von Contracting mit dem Energieträger Heizöl.
  • Ein technisches Konzept oder zumindest eine Vorstudie ist Voraussetzung damit mehrere Contracting-Anbieter mit vergleichbaren Vorgaben anbieten können. Diese Kosten können in der Regel dem beauftragten Contractor übertragen werden.
  • Ähnlich wie Contracting: Anschluss an einen Wärmeverbund, z.B. an eine holzbefeuerte Heizzentrale oder an eine KVA.

Übertragbarkeit auf andere Hotels

Zahlreich sind die Hotels, die Ihre Heizung ersetzen wollen, ist doch ein Ersatz ca. alle 20 Jahre notwendig. Oft ist Cash Mangelware und Hotels tendieren zu Recht dazu, erspartes dort zu investieren, wo die Gäste unmittelbar davon profitieren können. Hier präsentiert sich Contracting als ideale Lösung.

Weitere Infos zum Thema

Merkblatt „Leitfaden Contracting“ mit Informationen zum Vorgehen, zu Ausschreibungsunterlagen und Contracting-Vertrag.

Autoren

  • Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut Energie am Bau
  • Ingenieurbüro Energie und Umwelt
  • Swiss Contracting