Stromrechnung

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Stromrechnungen sind nur allzu oft recht schwierig zu verstehen. Eine genauere Interpretation kann aber Kosten sparen – mehr als man denken würde!

Problem

Stromrechnungen sind nur allzu oft recht schwierig zu verstehen. Eine genauere Interpretation kann aber Kosten sparen – mehr als man denken würde!

Drei Aspekte verdienen besonders unsere Beachtung:

  • Stehen die Leistungskosten in einem angemessenen Verhältnis zu den deklarierten Gesamtkosten?

  • Müssen Blindstromkosten bezahlt werden?

  • Ist der Niedertarif optimal ausgenutzt?

Leistungskosten

Hotelbetrieben werden in der Regel Leistungskosten verrechnet. Diese können 20 oder 30 % der Stromrechnung ausmachen. Betragen sie mehr als 24 %, so besteht in der Regel ein gut ausschöpfbares Sparpotential. Mit Ihrem Engagement oder einem Energiekontroll-System überwachen und reduzieren Sie diese oft zufällig entstehenden Leistungsspitzen, ohne merkbar den Betriebsablauf zu stören. In einem typischen Hotel können mit der Reduzierung der Leistungsspitze von 265 kW auf 186 kW je nach Energieversorger etwa 10'000 Sfr pro Jahr eingespart werden! Die dazu notwendigen Massnahmen amortisieren sich häufig in 3 bis 6 Jahren.

Verlauf eines Lastganges (in kW) eines typischen Hotels während 24 h

Leistungsspitzen vor Optimierung


Leistungsspitzen mit Optimierung

Verträge zur Stromlieferung enthalten neben kWh-Arbeitspreises auch den Preis für die bezogenen kW, also den Leistungspreis. Der Energieversorger ermittelt den Leistungspreis monatlich. Dazu wird in 15-Minuten-Intervallen die bezogene Leistung erfasst und der höchste gemessene Wert des Monats wird in Rechnung gestellt. Der Energieversorger deckt dabei seine Kosten, die durch stark unregelmässig erfolgten Energiebezug entstehen. Es ist daher sowohl für den Energieversorger als auch für den Verbraucher sinnvoll, den Leistungsbedarf so gleichmässig wie möglich zu gestalten und damit Kosten zu sparen.

Spitzenlastmanagement ist also eine wichtige Sparmassnahme bei welcher derjenige weniger bezahlt, der Elektrizität gleichmässiger bezieht.

Wie kommt es zu Stromspitzen?

Wenn am Ostersonntag in der Küche Hochbetrieb herrscht und zeitgleich in der Lingerie Waschmaschinen und Tumbler miteinander gestartet werden, ergibt sich eine hohe Verbrauchsspitze, welche für die Leistungskosten des Monats entscheidend. Unkontrollierte fünfzehn Minuten reichen aus um hohe Kosten zu verursachen.

Wie Stromspitzen verhindern und damit Leistungskosten reduzieren?

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wann welcher Verbraucher aktiv sein muss? Der Kochbetrieb in der Küche ist weitgehend festgelegt durch die Anforderungen des Gastes, der Einsatz der Spülmaschine kann ggf. eine kurze Zeit verschoben werden und die Lingerie ist im Tagesverlauf wesentlich freier darin, wann gewaschen wird. Gerade Küche und Lingerie sind stromintensive Arbeitsbereiche, die möglichst wenig gleichzeitig aktiv sein sollten.

Neben der zeitlichen Organisation des Geräteeinsatzes trägt der Einsatz energieeffizienter Geräte dazu bei sowohl Leistungspreis als auch Energiepreis zu senken.

Beispiele: Waschmaschinen brauchen viel Energie zum Aufheizen, der Waschprozess braucht aber nur noch sehr wenig: Den Tumbler oder die zweite Waschmaschine also erst 20 oder 30 Min nach der ersten Waschmaschine einschalten, damit der Leistungsbezug ausgeglichener wird.

Ähnliches gilt für die Küche: Grosse Geräte gestaffelt und nach Bedarf einschalten. Wichtig ist, dass sich Küche und Lingerie absprechen, wer wann Priorität geniesst.

Was tun?

Wann welcher Verbraucher tatsächlich aktiv ist zeigt eine Messung des Lastganges. Die meisten Energieversorger können solche Lastgangaufnahmen vornehmen; in der Regel sind sie gratis (Kundenbindung). Messung am besten während zweier Wochen, die stark belastete Tage beinhaltend. Dabei ist es vorteilhaft, wenn an zwei Tagen mit hohem Arbeitsanfall der Einschaltzeitpunkt aller grossen Stromverbraucher tabellarisch festgehalten wird. Im Lastgangdiagramm können dann die Verursacher leicht identifiziert und daraus Massnahmen evaluiert werden.

Organisatorische Massnahmensind die Grundlage des Lastmanagements und zuerst umzusetzen.

  • Feststellen an welchen Tagen und Tageszeiten die Leistung verrechnet wird.

  • Organisatorische Entflechtung der Grossverbraucher: Welche Geräte haben wann Priorität.

  • Unterstützung durch gegenseitiges Sperren der Grossverbraucher (entweder Mangel oder Tumbler)

  • Signal bei Überschreiten des gewählten Maximalwertes. Z.B. Übertragung mit Funk vom Stromverteiler in Küche und Wäscherei (für kleinere Betriebe).

  • Kontrolle mittels Stromrechnung

  • Kontrolle mittels modernem elektronischem Zähler, welcher die ausschlaggebenden Leistungsspitzen der letzten 12 Monate mit Angabe von Tag, Zeit und Leistung speichert. (Vom Energieversorger Zählerwechsel und/oder Instruktion beantragen.)

Erfolgschance gut bis ungenügend, entsprechend dem Engagement der Beteiligten
 

Technische Massnahmen:Bei deren Umsetzung übernimmt ein elektronischer Lastmanager das gezielte kurzzeitige Abschalten von Stromverbrauchern damit ein vorgegebener Wert (in kW) jeder 15-Minuten Periode nicht überschritten wird. Geräte wie Tumbler und Waschmaschinen werden als erste ausgeschaltet (nur Anteil für Wärme, ohne Mechanik und Steuerung). Reicht das nicht aus, werden auch erste Geräte der Küche für wenige Minuten ausgeschaltet. Zentral ist, dass der Arbeitsablauf nicht merkbar gestört wird. Träge Geräte eignen sich gut für kurzzeitiges Ausschalten, wie Gussplattenherd, Kippbratpfanne und Warmhaltegeräte. Alle grossen Wäschereigeräte sowie die Kälte- und Klimaaggregate sind vorzüglich nutzbar. Entsprechend längere Arbeitszyklen sind einzukalkulieren. Geräte mit sensiblen Arbeitsprozessen sollten nicht an den Lastmanager angeschlossen werden, z.B. Induktionsherd, Kombidämpfer, Salamander etc.

Vor der Installation eines Lastmanagers muss das Lastabwurfpotenzial des Betriebes festgestellt werden. Entscheidende Einflussfaktoren sind hier die reduzierbare Leistung und der Aufwand für den Anschluss an den Lastmanager. Jedes Gerät oder jede Verbrauchergruppe das angeschlossen wird müssen meistens mit dem Lastmanager verkabelt werden. Hier ist der Aufwand dem Reduktionspotenzial gegenüber zu stellen.

  • elektronisches Lastmanagement
    einfach: mit Berücksichtigung der Nennleistung der Geräte
    Hightech: mit Abfragen der Betriebszustände der Geräte

  • Kontrolle je nach Anbieter über Ausdruck, PC-Anbindung o.ä.

  • Kosten: Gerät ab 4'000.- Sfr., Installation gleichviel oder mehr

  • Benötigt im Anfangsstadium eine Betreuung durch eine Fachkraft,
    bis alle Einstellungen zur Zufriedenheit der Benutzer gefunden sind

Sehr gute Erfolgschancen: 25-40%ige Senkung der Leistungsspitze resp. der Leistungskosten. (Erfolg vom Anbieter berechnen, allenfalls garantieren lassen.)

Blindstrom

Blindenergie entsteht durch den Einsatz induktiver Verbraucher. Überall dort, wo Spulen zu finden sind (in Motoren, Pumpen, Kompressoren, Spulen), entsteht ein Magnetfeld, das Blindenergie erzeugt. Diese Blindenergie pendelt zwischen dem Verbraucher und dem Stromerzeuger hin und her und belastet so das elektrische Netz ohne zu einem Nutzen beizutragen. Der Energieversorger gewährt seinen Abnehmern eine bestimmte Menge Blindenergie (kVarh), meistens entsprechend 50 % des Wirkenergie (kWh). Was mehr ist wird verrechnet, z.B. mit 5 Rp./kVarh.

Was tun?

Werden auf Ihrer Stromrechnung Blindenergiekosten aufgeführt? Spätestens wenn die diese den Betrag von 500.- Sfr. pro Jahr übersteigen, sollten sie Ihre Stromrechnung und Installationen von einem Fachperson prüfen lassen. Denn dann liegt es nahe, dass eine Kompensationsanlage für Blindenergie wirtschaftlich ist.

Niedertarif

Nachts und an Wochenenden wird weniger Energie verbraucht. Deshalb ist Elektrizität während der so genannten Niedertarifzeit oft bis zu 50% günstiger als bei Hochtarif. Diese Tarifgestaltung trägt wiederum dazu bei, den Stromverbrauch gleichmässiger zu gestalten. Warum also dieses nicht ausnutzen?

Was tun?

Stellen Sie die Niedertarif-Zeiten fest. Durch entsprechende Arbeitsorganisation oder mit Zeitsteuerungen können verschiedene Verbraucher auf diese günstigen Zeiten verschoben werden. Beispielsweise werden nachts Waschmaschinen und Tumbler vom Nachtportier beladen, elektrische Warmwasserspeicher werden aufgeheizt und die Verdampfer der Kühlzellen werden auch nachts abgetaut.)

Autoren

  • FHBB-IfE
  • Ingenieurbüro Energie und Umwelt