Verglasung ersetzen

Fallbeispiele

Energiesparbereich:

Gebäudehülle

Stichwörter:

Dämmung, Fenster, Verglasung
Im Beau Rivage Lindner Grand Hotel in Interlaken, einem 5-Stern Luxus Hotel mit grossen Restaurants, Hallenbad und Wellness-Bereich, treten Kaltluftabfall und Zugerscheinungen an den Glasfassaden des Hallenbades und des Restaurant „Ambiance“ auf. WIe der Gästekomfort erhöht und der Energieverbrauch gesenkt werden kann, zeigt dieses Fallbeispiel.
Fensterfront des Restaurant Ambiance

Problembeschreibung

Im Beau Rivage Lindner Grand Hotel in Interlaken, einem 5-Stern Luxus Hotel mit grossen Restaurants, Hallenbad und Wellness-Bereich, treten Kaltluftabfall und Zugerscheinungen an den Glasfassaden des Hallenbades und des Restaurant „Ambiance“ auf.

Die über 2 m hohe, südseitige Verglasung des Hallenbades stammt aus dem Jahr 1972 und hat demzufolge einen schlechten Wärmedämmwert. Im Restaurant ‚Ambiance' sind wir mit den gleichen Erscheinungen konfrontiert obschon unter den Fensterbänken Heizkörper installiert sind.

Lösung

Im Hallenbad wie auch im Restaurant wurden die Verglasungen ersetzt. Die Fenster-Rahmenstruktur aus Aluminium im Hallenbad und die schönen Fenster im Restaurant blieben aus finanziellen und optischen Gründen erhalten. Ziel ist primär höherer Komfort und sekundär der geringere Energieverbrauch.

Südfassade des Hallenbades

Kosten-Nutzen Rechnung

Kosten für den Ersatz der Verglasung:

  • Hallenbad: 51.7 m2 Verglasung  * 200.30 CHF  = 10'360.- CHF
  • Restaurant: 33.9 m2 Verglasung  * 261.00 CHF = 8'850.- CHF

Nutzen durch Energieeinsparung (bei 10 Monaten Öffnungszeit):

  • Hallenbad: 15'300 kWh oder 1800 Liter oder 720.- CHF/Jahr
  • Restaurant: 6'800 kWh oder 800 Liter oder 320.- CHF/Jahr

Beschreibung der Qualitätsverbesserung und der Vorteile

Kaltluftabfall (Zugerscheinung) und Strahlungsasymmetrie wurden massiv verringert. Durch geringere Strahlungsasymmetrie kann die Lufttemperatur gesenkt werden, ohne dass die Behaglichkeit verschlechtert wird. Im Hallenbad ist zusätzlich geringere Kondensation vorhanden respektive im Winter eine höhere Luftfeuchtigkeit möglich, ohne dass an den Fenstern Kondensat entsteht.

Sonstiges

Praktikable Sanierungsarten für Fenster

1. Verglasung ersetzen, Fenster erneuern, Dichtung in Nut einsetzen, evtl. Wetterschenkel in Alu anbringen, Holzbehandlung.

2. Fensterersatz mit Renovationsrahmen. Dieser wird in den bestehenden Rahmen eingesetzt. Einfache und günstige Montage, Glaslichtgrösse wird deutlich kleiner.

3. Ersatz von Rahmen und Fenstern. Evtl. aufwändig, die alten Rahmen zu entfernen.

4. Holz-Metall Fenstersind eine weitere gute Möglichkeit mit geringeren Unterhaltsansprüchen. Mehrpreis ca. 20 %.

5. Kunststofffensteraus PVC oder PP bilden eine weitere Möglichkeit. Abzuklären ist, ob dies aus ästhetischen Aspekten machbar ist. In der Regel billiger als Holzfenster; kaum Unterhalt, Lebensdauer genügend.

Kennwerte und Kosten Sanierungsart 1

Das Ersetzen von Verglasungen kostetinkl. Montage Fr. 100.- bis 300.- pro m2 (Glasfläche) je nach Montageaufwand, Glasgrösse, Rahmenzustand.

Der Dämmwert (U-Wert) einer neuen Verglasungen sollte Uglas=0.6-1.1 W/m2K sein und damit rund drei- bis fünfmal tiefer als bei einer 30-jährigen Verglasung mit 3.1 W/m2K.

Was ist zu beachten?

Neue Wärmeschutzverglasungen weisen Dicken von 16-28 mm auf und können den Platzverhältnissen angepasst werden. Weisen die alten Fenster Doppelverglasungen auf, so wird der Umbau schwierig und teurer. In der Regel ist dann ein Fensterersatz vorzuziehen. Der Fensterrahmen muss mit einer Dichtung ausgestattet sein. Fehlt diese, so ist im Fensterfalz eine Nut zu fräsen und mit einer Dichtung zu versehen (Schaumstoffeinlagen haben nur eine kurze Lebensdauer). Vorsicht: Kaltluftabfall wird häufig auch durch den Rahmen alleine verursacht, dies ist beim Glasersatz zu berücksichtigen (U-Wert, Breite des Rahmens).

Übertragbarkeit auf andere Hotels

Alte, 20-30-jährige Wärmeschutzverglasungen haben Dämmwerte (U-Werte) von 2.7-3.1 W/m2K, neue von 0.6-1.1 W/m2K. Ein Glasersatz kann lohnend sein, wenn die Fensterrahmen in gutem Zustand sind und die Glasleisten sowie die alte Verglasung leicht demontiert werden können. Zusatznutzen wie Komfortgewinn und Schalldämmung können realisiert werden. Grundsätzlich ist zu prüfen, ob die Rahmenstärke/Bauart für 3-fach-Verglasungen geeignet ist.

Autoren

  • FHBB-IfE
  • Zentrum für Integrale Gebäudetechnik (ZIG) der Hochschule Luzern